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Die Legende des stillen Quells unter dem ewigen Morgenlicht

Die Legende des stillen Quells unter dem ewigen Morgenlicht


Dämmerung weht, der tiefe Wald schläft still, während ein sanfter Wind die schweren Nadelblätter bewegt und einen Hauch von sanftem Licht über den blaugrauen Himmel streicht. In den Wäldern des Nordens, verborgen in einer tiefen, satten grünen Welt, findet sich eine seltene Oase. Das sachte strömende Wasser des Quells ist wie das Herz der Erde, es bringt ewiges Leben und Stille. Am Quell wachsen weiche Moose, und am Ufer blühen kleine gelbe und schneeweiße Blumen, die unregelmäßig verstreut sind. Tiefer im Schatten der Bäume verbergen sich Heidelbeeren, Beeren und ein Hauch frischer Luft, der den Geruch von Harz trägt.

Am Ufer dieses traumhaften Quells sitzen zwei junge Gestalten auf dem niedrigen Moos, sanft beleuchtet von dem gefleckten Sonnenlicht. Sie sind Esli und Lino, Jugendliche aus dem Nordwald. Ihre Gesichter strahlen Frieden aus, sie kuscheln sich aneinander, als ob selbst das Universum zögern würde, ihre Stille zu stören.

Esli hat tiefbraunes Haar, das im Sonnenlicht schimmert, und seine Augen sind wie der Morgennebel über den fernen Bergen, während er Lino ansieht. Mit seiner rechten Hand umarmt er Linos Schultern und zieht sie sanft an sich. Linos blondes Haar glänzt in der Sonne wie Honig. Ihr Gesicht ist in stillem Glück versunken, als wäre sie von warmem Quellwasser umspült. Sie lehnt ihren Kopf an Eslis Brust und kann sein stabiles, langsames Herzschlagen hören. Die Blätter neben ihnen rascheln leise, als würden sie ein wunderbares Lied für sie singen.

In der Ferne schleicht ein kleines Reh sanft zwischen den Farnen hindurch, ohne jegliche Angst. Es bleibt neugierig stehen, sieht eine Weile zu und entschwindet dann gelassen. Die Tiere im Wald scheinen die Stille und Schönheit dieses Ortes zu kennen und möchten die sanfteste Stütze der Welt nicht brechen.

Esli lässt seine Hand sanft durch Linos Finger gleiten und flüstert: "Lino, findest du nicht auch, dass es hier ruhiger ist als irgendwo sonst?"

Lino schließt die Augen und lauscht der melodischen Plätschern des Quellwassers, als würde sie versuchen, die Quelle jeder einzelnen Wassertropfen zu finden. Sie lächelt zurück und murmelt: "Jedes Mal, wenn ich hierher komme, scheinen alle Geräusche in meinem Herzen zu verschwinden, es bleibt nur noch du und ich und das reine Geräusch des Wassers."




Esli betrachtet ihr Profil, seine Stimme ist unentschlossen, aber erwartungsvoll: "Wenn ich einen einzigen Ort auf der Welt bis zum Ende wählen könnte, dann wäre es wohl hier. Mit dir."

Als Lino das hört, breitet sich Wärme in ihren Augen aus, und die Ecken ihres Mundes heben sich leicht. Sie zupft ein Moosstück und spielt damit, als wäre es ein kostbarer Schatz, bevor sie es sanft ins Wasser legt, um zu sehen, wie es vom Wasser fortgetrieben wird. Sie blickt zu Esli auf, ihre Augen funkeln wie Sterne am Nachthimmel: "Aber wenn der Waldgott unser Wunsch hört, wird er uns dann für immer hierbleiben lassen?"

Esli lächelt sanft, seine Stimme ist voller Zuversicht und Stärke: "Wenn der Waldgott mich fragt, werde ich sagen: Lass uns zusammen bleiben, lass uns auch einen Teil des Schutzes dieses Quells werden." Er streicht Lino sanft über die Wangen, "Wir sind wie dieser Quell, der unter den Schatten der Bäume ruhig fließt, untrennbar."

Lino lacht leise, schaut still in die gefleckten Sonnenstrahlen, die herabfallen, und fühlt, dass Eslis Hand warm ist wie die Sonne im Frühling. In ihren Pupillen spiegeln sich das Wasser und Esli. Sie fragt: "Was denkst du, wenn wir Hüter des Quells werden, was würde ich dann sein?"

Esli beugt sich näher, eine Strähne fällt auf Linos Stirn: "Du wärst das klarste Licht im Quell, das alle vorbeikommenden Menschen dazu bringt, wissen zu wollen, welches wundersame Geheimnis dieses strahlende Licht erzählt."

Lino schüttelt grinsend den Kopf: "Und du? Was wärst du?"

Esli denkt einen Moment nach und sagt mit einer Stimme, die an einen frischen Frühlingsmorgen erinnert: "Ich wäre vielleicht das weiche Moos, das dir den bequemsten Platz bietet, so dass du dich, wenn du daran lehnst, wie im gesamten Wald fühlst."




"Das ist auch nicht schlecht. Kann ich dann oft Gestalt wechseln, um zu sehen, ob du mich begleiten würdest?" fragt Lino leise, ihr Kinn stützt sie sanft, ihre Augen sind etwas schelmisch und erwartungsvoll und warten auf Eslis Antwort.

Esli denkt eine Weile nach, wobei er ernsthaft antwortet: "Ich würde dir definitiv folgen. Wenn du das Gold des Morgenlichts bist, das sich auf der Wasseroberfläche spiegelt, bin ich der Baum im Schatten des Morgenlichts, der jedes deiner Lichtstrahlen bewacht. Wenn du in der Nacht der Wasseroberfläche des Quells zur schimmernden Silbermond wirst, bin ich der Stein in der Mitte des Wassers, der dir ermöglicht, friedlich zu reflektieren."

Lino neigt sich sanft zur Seite und stützt ihr spitzes Kinn auf Eslis Schulter, die Luftbewegungen mit dem leichten Wind: "Jedes deiner Worte klingt wie ein Geist des Waldes, der jedem meiner Erscheinungen Poesie hinzufügt."

So reden sie still miteinander, die Zeit scheint in diesem Nachmittag stillzustehen, alle Sorgen sind bereits über die Baumwipfel weggeflogen, nur das Plätschern des Quellwassers bleibt.

Plötzlich durchbricht ein leises Vogelgezwitscher die Stille. Ein schneeweißer Eisvogel fliegt von weit her heran, umkreist sie über ihren Köpfen, zwitschert und scheint sie einzuladen, die Geheimnisse des Waldes zu erkunden.

"Willst du heute mit dem Vogel mitgehen?" fragt Lino und zeigt auf den bewegenden Körper des Eisvogels, in ihren Augen blitzt ein wenig Abenteuerlust auf.

Esli nickt, er greift den daneben liegenden Birkenstock und zieht Lino sanft an der Hand, während sie langsam am jungen Gras des Quellufers entlang gehen. Mit jedem Schritt treten ihre Schuhe sanft auf das Laub und die heruntergefallenen Blätter, und es ertönen feine, gleichmäßige Geräusche. Der Vogel schwebt manchmal über hohe Äste, sinkt dann auf die Spitzen der Pfeilblätter und zeigt den beiden den Weg nach vorn.

Auf ihrem Weg räumt Esli sorgfältig die herunterhängenden Zweige für Lino beiseite, und wenn sie auf ungewöhnliche Früchte stoßen, berührt er sie zuerst sanft mit den Fingern, riecht daran und stellt sicher, dass sie sicher sind, ehe er eine pflückt und sie Lino reicht. Lino legt die gesammelten Wildbeeren auf ein Blatt, wie ein Festmahl für ein Mädchen, und lächelt und bittet Esli, mit ihr zu kosten.

Sie durchqueren einen mit Nadelblättern bedeckten Pfad und gehen über den aus Pilzen gewobenen Waldboden. Nach einer Weile lässt der Eisvogel plötzlich auf einer Birke, die vom Blitz in zwei Hälften geteilt wurde, nieder. Der Schaden des Birkenbaums zeigt einen silbernen Baumsaft, der fließt, wie eine Wunde der Natur, und doch wie ein neues Leben, das zu heilen beginnt.

Lino berührt sanft den Baumsaft, doch sie stellt fest, dass dieser Saft klar wie Wasser ist und ihr eigenes Abbild darin reflektiert. Sie ist ein wenig überrascht: "Redet dieser Baum mit uns?"

Esli beugt sich nah zu ihr und flüstert: "Das ist die Spur, die der sagenumwobene Birkengeist hinterlässt, die sich zeigen, wenn die wahren Hüter vorbeikommen. Vielleicht bedeutet das, dass manche Hülsen und Liebe aus Leid geboren werden und dann alles heilen."

Lino nickt sanft, ein verständnisvolles Lächeln auf ihrem Gesicht. Sie murmelt: "Dann ist vielleicht unser Schutz, all das Leid in das strahlende Licht des Quells und die Sanftheit der Bäume zu verwandeln."

Sie gehen weiter, folgen dem tief fliegenden Vogel und halten an einem scheinbar gewöhnlichen kleinen Hügel im Wald. Esli sagt leise: "Hier sind wir, dies ist der Ort, an dem das Mutterreh gebärt und einer der zauberhaftesten Orte im Wald."

Tatsächlich sitzt auf dem Hügel um die sprudelnde Quelle eine alte Hirschkuh, ihr Körper braun und glatt, ihre Augen weise. Lino öffnet ihre Augen weit und nähert sich langsam, das Licht hinter ihr ist wie eine warme Wand. Der Hirsch flieht nicht, sondern sieht den jungen Menschen einfach still an.

Esli bittet Lino, sich zu hocken, und erinnert sie leise: "Sei sanft, wenn du dem Reh in die Augen siehst, es wird dir Geheimnisse anvertrauen." Lino folgt brav und schaut in die Augen des Rehs und sieht darin den Himmel, den Wald und ihr beider Abbild.

Nach einem Moment senkt das Reh den Kopf und macht ein leises Geräusch, dann berührt es mit der Nasenspitze Linos Handfläche. Lino spürt eine ruhige Wärme, die von der Nase des Rehs ausgeht, es scheint ihr ganzes Herz zu erwärmen. Esli schützt Lino von hinten, in seiner tiefen, dunklen Augen liegt eine Ehrfurcht vor allem, was im Wald lebt.

In diesem Augenblick versteht Lino - solange sie sich aneinander kuscheln, ist jeder Ort, wo Esli ist, ein sicherer Hafen, egal wie tief und unergründlich die Nacht draußen ist. Und Esli denkt, dass er, egal wie viele unbekannte Abenteuer und Schwierigkeiten es gibt, immer weiter vorwärts gehen kann, solange Lino an seiner Seite ist.

Sie begleiten das alte Reh still, bis der Himmel allmählich bläulich wird und das Sternenlicht schwach aufflackert. Die beiden sitzen neben der Quelle auf dem Hügel, und Esli sagt mit sanfter Stimme zu Lino: "Siehst du, die Nacht ist gekommen. Wenn die Sterne des Nordens nacheinander aufleuchten, weiß ich, dass wir noch viele Morgen haben werden und dass unsere Geschichte für immer von diesem Wald und diesem Quell erinnert wird."

Lino antwortet leise: "Solange du bei mir bist, egal wie die Galaxie sich dreht und die Nacht uns umhüllt, fühle ich mich immer warm."

Das silberne Mondlicht sinkt langsam durch den Wald und hüllt die beiden sowie das Quellwasser, das Moos, den Hügel und das alte Reh sanft ein. In der Ferne ertönt erneut das Lied des Eisvogels, als würde es ihnen ein endloses Lied des Schutzes singen.

Die Sterne steigen auf und sinken wieder, Esli und Lino liegen nebeneinander am Ufer dieser mystischen Oase und lassen die Liebe in der Stille des anderen fließen. Das Quellwasser bezeugt ihr Versprechen und ihre Zärtlichkeit und bewahrt das zarteste Geheimnis des gesamten Waldes.

Die Nacht wird tiefer, die warme Brise weht durch den Wald, und das Quellwasser plätschert weiterhin und spiegelt Liebe und Schutz wider, die ewig in dieser dichten Welt von Wald und Oase fließen werden.

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